Endometriose & Sexualität
Wenn Sexualität mit Schmerzen oder Unsicherheit verbunden ist
Endometriose kann Sexualität und Intimität auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Häufig berichten Betroffene von Schmerzen beim Sex (Dyspareunie), einer veränderten Lust oder dem Gefühl, dass Berührung nicht mehr entspannt möglich ist.
Manchmal entsteht dabei ein innerer Spannungszustand: Einerseits besteht der Wunsch nach Nähe und Sexualität, andererseits ist da die Sorge vor Schmerzen oder davor, dass der Körper „nicht mitmacht“. Auch die Erwartung oder Erfahrung von Beschwerden kann dazu führen, dass sich Anspannung bereits vor Intimität aufbaut.
Diese Reaktionen sind keine Frage von „zu wenig Entspannung“, „fehlender Sexualität“ oder mangelnder Beziehung. Sie sind eine nachvollziehbare körperliche und psychische Anpassung an wiederkehrende Schmerzen, Belastung und Unsicherheit im Zusammenhang mit Endometriose.
Sexualität darf sich dadurch verändern – und sie darf auch wieder vorsichtig neu entdeckt werden, in einem Tempo, das sich für Sie sicher und stimmig anfühlt.
Endometriose kurz erklärt
Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Dabei kann Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter vorkommen.
Mögliche Beschwerden sind zum Beispiel starke Regelschmerzen, anhaltende Schmerzen im Beckenbereich, Erschöpfung, Verdauungsbeschwerden oder Schwierigkeiten beim Schwangerwerden.
Ein Punkt, der oft irritiert: Wie stark Schmerzen erlebt werden, passt nicht immer zu dem, was man in Untersuchungen sieht. In der Forschung wird außerdem diskutiert, dass bei manchen Menschen die Schmerzverarbeitung im Nervensystem „sensibler“ wird – vor allem, wenn Beschwerden lange bestehen. Es ist ein Hinweis darauf, dass Körper und Nervensystem mit der Zeit anders auf Reize reagieren können.
Wie Endometriose Sexualität und Beziehung beeinflussen kann
Schmerzen beim Sex werden von vielen Betroffenen beschrieben. Dazu kann kommen, dass sich der Körper unbewusst anspannt – wie ein Schutzreflex. Manche berichten dann, dass Erregung schwerer entsteht oder dass Entspannung einfach nicht mehr „von selbst“ kommt. Erschöpfung spielt ebenfalls hinein. Wenn der Alltag ohnehin Kraft kostet, bleibt weniger Raum für Lust oder Neugier.
Wenn Sex mit Schmerz verbunden ist, entsteht schnell Druck. Aus Angst vor Beschwerden wird Nähe vermieden, danach kommen Schuldgefühle oder Missverständnisse – und beim nächsten Mal wird es nicht leichter.
In Beziehungen kann das beide Seiten verunsichern. Die eine Person will Nähe, die andere will nicht wehtun. Oder es wird still, weil niemand „das Falsche“ sagen möchte. Diese Dynamik ist häufig – und sie lässt sich sortieren.
Viele Menschen erzählen außerdem, dass in medizinischen Gesprächen wenig Raum für sexuelle Themen ist. Das kann zusätzlich einsam machen, obwohl es ein verbreitetes Thema ist.
Wie ich Sie bei Endometriose und Sexualität unterstützen kann
Endometriose betrifft nicht nur den Körper. Viele Betroffene erleben, dass Schmerzen, Erschöpfung oder die ständige Unsicherheit rund um Symptome auch Einfluss auf Sexualität, Intimität und Beziehungen haben.
In der sexualtherapeutischen Begleitung geht es nicht darum, Beschwerden „wegzutherapieren“ oder Sexualität wieder genauso herzustellen wie früher. Vielmehr schauen wir gemeinsam darauf, was sich verändert hat, wie sich das auf Ihr Erleben auswirkt und welche Wege sich heute stimmig anfühlen.
Mein Ansatz ist evidenzbasiert, traumasensibel und orientiert sich an den Erfahrungen, die viele Menschen mit Endometriose im Alltag machen.
Wieder mehr Sicherheit im eigenen Körper entwickeln
Wenn Sexualität über längere Zeit mit Schmerzen oder Unsicherheit verbunden war, reagiert der Körper häufig vorsichtiger. Manche Menschen bemerken Anspannung schon bei dem Gedanken an Intimität. Andere fühlen sich während sexueller Situationen angespannt, beobachten ihren Körper ständig oder haben Schwierigkeiten, sich auf Nähe einzulassen.
Gemeinsam schauen wir darauf, was bei Ihnen passiert: Welche Gedanken tauchen auf? Wie reagiert Ihr Körper? Was löst Stress oder Druck aus?
Ziel ist nicht, etwas zu erzwingen, sondern wieder mehr Sicherheit und Vertrauen in die eigenen Wahrnehmungen zu entwickeln. Dabei können körperorientierte Übungen, achtsamkeitsbasierte Methoden oder Strategien im Umgang mit Grübeln und Anspannung hilfreich sein.
Über Schmerzen, Bedürfnisse und Grenzen sprechen
Endometriose kann auch Beziehungen belasten. Viele Betroffene möchten ihre Partnerperson nicht enttäuschen, fühlen sich missverstanden oder haben Schwierigkeiten, über Schmerzen und Unsicherheiten zu sprechen.
In der Begleitung kann es darum gehen, eine gemeinsame Sprache für diese Themen zu finden. Wie können Sie über Beschwerden sprechen, ohne sich rechtfertigen zu müssen? Wie lassen sich Grenzen kommunizieren, ohne Schuldgefühle auszulösen? Und wie können Wünsche nach Nähe und Rücksichtnahme gleichzeitig Platz haben?
Auf Wunsch können Beziehungspersonen in einzelne Sitzungen einbezogen werden.
Intimität neu gestalten
Viele Menschen erleben Entlastung, wenn Sexualität nicht länger unter dem Druck steht, einem bestimmten Ablauf folgen zu müssen.
Intimität kann viele Formen annehmen: Berührung, Nähe, Körperkontakt, gemeinsame Sinnlichkeit oder Sexualität in einem Tempo, das sich sicher anfühlt. Häufig entsteht mehr Spielraum, wenn nicht ständig die Frage im Raum steht, ob Schmerzen auftreten werden oder ob „alles funktionieren muss“.
In der sexualtherapeutischen Arbeit geht es deshalb oft darum, neue Möglichkeiten von Nähe zu entdecken und herauszufinden, was sich für Sie angenehm, sicher und stimmig anfühlt.
Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen
Endometriose ist eine körperliche Erkrankung. Deshalb kann es sinnvoll sein, sexualtherapeutische Begleitung mit medizinischer Behandlung zu verbinden.
Je nach Situation kann die Zusammenarbeit mit Gynäkologie, Schmerzmedizin oder Beckenbodenphysiotherapie hilfreich sein. So lässt sich besser unterscheiden, welche Beschwerden medizinisch behandelt werden können und wo psychologische oder sexualtherapeutische Unterstützung entlastend wirken kann.
Grenzen
Sexualtherapie ist keine medizinische Behandlung von Endometriose. Ich stelle keine Diagnosen und ersetze keine ärztliche Abklärung.
Bitte lassen Sie medizinisch abklären, wenn zum Beispiel:
-
Schmerzen neu auftreten, deutlich stärker werden oder ungewöhnlich lange anhalten,
-
Blutungen ungewohnt sind,
-
Fieber oder akute Entzündungssymptome dazukommen,
-
oder Sie einfach unsicher sind, was körperlich gerade los ist.
Sicherheits-Hinweis: Bei akuter Krise oder Suizidgedanken holen Sie bitte sofort Hilfe (Notruf 112) oder anonym/kostenfrei Unterstützung, z. B. über die TelefonSeelsorge (116 123). In Berlin ist auch der Berliner Krisendienst erreichbar.
So läuft die Zusammenarbeit ab
-
Kostenloses Erstgespräch (ca. 20 Minuten): Wir klären, worum es geht und ob mein Angebot passt.
-
Sitzungen: 50 Minuten, wöchentlich oder 14-tägig.
-
Setting: Ich arbeite vorwiegend online; Termine in Berlin sind möglich.
-
Vertraulichkeit/Datenschutz: Schweigepflicht und DSGVO-konforme Abläufe.
Wenn Sie prüfen möchten, ob diese Form der Begleitung für Sie stimmig ist, vereinbaren Sie gern ein kostenloses Erstgespräch.
Quellen
Amza, M., Sima, R.-M., Conea, I.-M., et al. (2025). The impact of endometriosis on patients’ quality of sexual life. Journal of Medicine and Life, 18(2). https://doi.org/10.25122/jml-2024-0262
Capezzuoli, T., Maseroli, E., Barra, F., et al. (2023). Endometriosis and sexual disorders: The effect of surgical and medical treatment, a multicentre cross-sectional study. F1000Research, 12, 1424. https://doi.org/10.12688/f1000research.141537.1
Davenport, R. A., Mills, J., McHardy, H., et al. (2025). “No doctor ever asked me…” Barriers and facilitators to sexual health communication in general practice. Journal of Sexual Medicine, 22(1), 26–35. https://doi.org/10.1093/jsxmed/qdae145
Nikseresht, M., Hafizi, L., Erfanian Arghavanian, F., et al. (2025). CBT and sexual satisfaction in women with endometriosis: A randomized clinical trial. Journal of Midwifery and Reproductive Health, 13(3), 4897–4909. https://doi.org/10.22038/JMRH.2023.72973.2134
Law, C., Hudson, N., Mitchell, H., Culley, L., & Norton, W. (2024). ‘You feel like you’re drifting apart’: Impacts of endometriosis on sex and intimacy in heterosexual couples. Sexual and Relationship Therapy. https://doi.org/10.1080/14681994.2024.2306316
Shinan-Altman, S., et al. (2024). Her, his, and their journey with endometriosis: A qualitative study. Frontiers in Global Women’s Health, 5, 1480060. https://doi.org/10.3389/fgwh.2024.1480060
Jia, S.-Z., Leng, J.-H., Sun, P.-R., & Lang, J.-H. (2013). Prevalence and associated factors of female sexual dysfunction in women with endometriosis. Obstetrics & Gynecology, 121(3). https://doi.org/10.1097/AOG.0b013e3182835777 (PMID: 23635624)
Szypłowska, M., et al. (2023). The impact of endometriosis on depressive and anxiety symptoms and quality of life: A systematic review. Frontiers in Public Health. https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1230303
ESHRE Guideline Group. (2022). ESHRE guideline: endometriosis. Human Reproduction Open, 2022(2), hoac009. https://doi.org/10.1093/hropen/hoac009
World Health Organization. (2025). Endometriosis – Key facts. (Fact sheet).
Zhu, X., Wu, Y., Jia, J., Zhao, X., & Zhao, X. (2023). Impact of endometriosis on female sexual function: An updated systematic review and meta-analysis. Sexual Medicine, 11(2), qfad026. https://doi.org/10.1093/sexmed/qfad026
del Pino-Sedeño, T., Cabrera-Maroto, M., Abrante-Luis, A., et al. (2024). Effectiveness of psychological interventions in endometriosis: A systematic review with meta-analysis. Frontiers in Psychology, 15. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1457842
Evans, S., Fernandez, S., Olive, L., Payne, L. A., & Mikocka-Walus, A. (2019). Psychological and mind-body interventions for endometriosis: A systematic review. Journal of Psychosomatic Research, 124, 109756. https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2019.109756 (PMID: 31443810)
Orr, N. L., et al. (2023). Association of Central Sensitization Inventory scores with pain outcomes after endometriosis surgery. JAMA Network Open, 6(2), e230780. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2023.0780 (PMID: 36848090)
NICE. (2017, aktualisiert). Endometriosis: diagnosis and management (NG73). National Institute for Health and Care Excellence.
FAQ
Sollte ich Beschwerden vor einer Sexualtherapie ärztlich abklären lassen?
Wenn Schmerzen neu auftreten, stärker werden oder sich deutlich verändern, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Endometriose kann unterschiedliche Beschwerden verursachen, gleichzeitig können auch andere körperliche Faktoren zu Schmerzen im Becken- oder Unterbauchbereich beitragen.
Eine medizinische Einordnung kann helfen, behandelbare Ursachen zu erkennen und mehr Sicherheit im Umgang mit den Beschwerden zu gewinnen.
Sexualtherapie ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Behandlung. Sie kann jedoch eine wertvolle Ergänzung sein – insbesondere dann, wenn Schmerzen, Unsicherheit oder belastende Erfahrungen die Sexualität, Intimität oder Beziehung beeinflussen. Häufig geht es dabei um den Umgang mit Angst vor Schmerzen, Vermeidungsverhalten, Anspannung, Scham oder Schwierigkeiten, über Bedürfnisse und Grenzen zu sprechen.
Medizinische und sexualtherapeutische Unterstützung schließen sich nicht aus – im Gegenteil: Viele Betroffene erleben die Kombination aus körperlicher Behandlung und psychosexueller Begleitung als besonders hilfreich.
Kann Sexualtherapie bei Schmerzen beim Sex helfen?
Sexualtherapie kann hilfreich sein, wenn Schmerzen beim Sex, Angst vor Schmerzen oder die ständige Erwartung von Beschwerden beginnen, Sexualität und Intimität zu beeinflussen.
Wir schauen gemeinsam darauf, welche Auswirkungen die Beschwerden auf Ihr Erleben haben: Gibt es Anspannung vor sexuellen Situationen? Vermeiden Sie bestimmte Formen von Nähe? Fühlen Sie sich unter Druck oder schämen sich für die Veränderungen?
Ziel ist, wieder mehr Sicherheit, Selbstbestimmung und Wahlmöglichkeiten im Umgang mit Sexualität zu entwickeln. Viele Betroffene erleben es als entlastend, wenn Sexualität nicht länger von Angst, Leistungsdruck oder ständiger Vorsicht bestimmt wird.
Muss meine Beziehungsperson mitkommen?
Nein. Viele Menschen beginnen die sexualtherapeutische Begleitung zunächst allein.
Oft geht es zuerst darum, die eigenen Erfahrungen besser zu verstehen, Worte für das Erlebte zu finden und mehr Sicherheit im Umgang mit Schmerzen, Grenzen oder Unsicherheiten zu entwickeln.
Wenn es für Sie hilfreich ist, können Partner:innen oder andere Beziehungspersonen später in einzelne Sitzungen einbezogen werden. Das kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Missverständnisse, Rückzug oder Unsicherheit die Beziehung belasten.
Ziel ist einen gemeinsamen Umgang mit den Herausforderungen zu finden, sodass Nähe möglich bleibt und die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden.
Was, wenn ich wenig oder keine Lust habe?
Viele Menschen mit Endometriose erleben Phasen mit weniger sexueller Lust. Das ist oft eine nachvollziehbare Reaktion auf Schmerzen, Erschöpfung, Stress oder die Sorge, dass Beschwerden auftreten könnten.
Weniger Lust bedeutet nicht automatisch, dass etwas „falsch“ läuft oder dass Sexualität dauerhaft verloren geht.
In der Sexualtherapie geht es deshalb nicht darum, Lust zu erzeugen oder wiederherzustellen. Häufig ist es hilfreicher zu verstehen, welche Bedingungen Lust erschweren und was Ihr Körper aktuell braucht, um sich sicher und entspannt zu fühlen. Daraus können sich oft neue Möglichkeiten für Nähe und Intimität entwickeln.
Was bedeutet „Intimität ohne Penetration“?
Viele Menschen setzen Sexualität unbewusst mit Penetration gleich. Wenn Penetration schmerzhaft ist oder Unsicherheit auslöst, kann das schnell das Gefühl erzeugen, Sexualität sei insgesamt eingeschränkt.
Intimität umfasst jedoch deutlich mehr. Dazu können Berührung, Kuscheln, Massagen, gegenseitige erotische Aufmerksamkeit, gemeinsame Sinnlichkeit oder andere Formen körperlicher und emotionaler Nähe gehören.
In der sexualtherapeutischen Begleitung geht es oft darum, den Blick auf diese Möglichkeiten zu erweitern und herauszufinden, welche Formen von Intimität sich für Sie angenehm, sicher und stimmig anfühlen.
