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Sexuell übertragbare Infektionen (STI) & Sexualität

Eine Diagnose einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) kann viele Gefühle auslösen. Neben medizinischen Fragen beschäftigen Menschen oft auch persönliche und emotionale Themen: Wie verändert sich mein Verhältnis zu meinem Körper? Kann ich Sexualität weiterhin unbeschwert erleben? Wie spreche ich mit meinem Gegenüber darüber? Und werde ich deswegen anders gesehen oder bewertet?

Vielleicht fühlen Sie sich verunsichert, schämen sich oder machen sich Sorgen um Ihre Beziehung, Ihr Datingleben oder zukünftige sexuelle Kontakte. Vielleicht erleben Sie aber auch Erleichterung, weil Sie endlich eine Erklärung für Beschwerden haben oder wissen, woran Sie sind. All diese Reaktionen sind verständlich.

STI wie Herpes, HPV, Chlamydien, Gonorrhoe oder HIV betreffen nicht nur den Körper. Sie können auch Einfluss auf Selbstwertgefühl, sexuelles Erleben, Intimität und Beziehungen haben. Viele Menschen berichten nach einer STI-Diagnose von Ängsten, Unsicherheit oder dem Gefühl, mit ihren Gedanken allein zu sein. Hinzu kommt, dass sexuell übertragbare Infektionen gesellschaftlich noch immer mit Vorurteilen und Scham belegt sind.

In meiner Praxis finden diese Erfahrungen Raum. Hier geht es nicht nur um medizinische Informationen, sondern auch um die psychosexuellen Auswirkungen einer STI: den Umgang mit Scham, die Kommunikation mit Partner, die Rückkehr zu einer erfüllten Sexualität und die Stärkung eines liebevollen Umgangs mit sich selbst.

Kurz erklärt: Was sind STI – und was meint „psychosexuell“?

 

STI sind Infektionen, die beim Sex übertragen werden können. Manche verursachen Beschwerden wie Reizungen, Ausfluss, Bläschen, Schmerzen oder ein Brennen beim Wasserlassen. Andere bleiben lange unbemerkt und werden erst durch Testungen gefunden.

„Psychosexuell“ heißt hier nicht „Diagnose“. Es beschreibt, wie Körper, Gefühle, Gedanken und Beziehungserfahrungen zusammenwirken. Eine STI kann zum Beispiel dazu führen, dass Sie beim Sex wachsamer werden, schneller verkrampfen oder sich innerlich zurückziehen – selbst dann, wenn medizinisch alles abgeklärt ist.

Verschiedene STI, unterschiedliche Verläufe

Wichtig ist: STI ist nicht gleich STI.
Es gibt Infektionen, die meist gut behandelbar und oft heilbar sind (z. B. einige bakterielle STI). Und es gibt virale Infektionen, die bleiben können und eher „gemanagt“ werden (z. B. Genitalherpes; bei HPV geht es häufig um Verlaufskontrollen). Was das emotional macht, ist sehr verschieden. Für manche ist es eine kurze Delle. Andere beschäftigt es länger, weil die Diagnose an Themen wie Vertrauen, Körperbild oder früheren Erfahrungen rührt.

Was viele Menschen nach einer STI-Diagnose erleben

 

Scham, Angst und belastende Gedanken nach einer STI-Diagnose

Eine Diagnose einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) löst bei vielen Menschen nicht nur medizinische Fragen aus, sondern auch starke emotionale Reaktionen. Scham, Angst, Unsicherheit oder anhaltendes Grübeln gehören zu den häufigsten psychischen Belastungen nach einer STI-Diagnose.

Scham entsteht dabei meist nicht aufgrund der Infektion selbst, sondern durch gesellschaftliche Vorstellungen und Vorurteile rund um Sexualität und sexuell übertragbare Infektionen. Viele Betroffene erleben Gedanken wie: „Was werden andere von mir denken?“, „Muss ich mich rechtfertigen?“ oder „Bin ich jetzt weniger begehrenswert?“ Solche Reaktionen sind verständlich und weit verbreitet.

Auch Ängste spielen häufig eine Rolle: die Sorge, andere anzustecken, die Angst vor Ablehnung durch Partner:innen oder Unsicherheit darüber, wie offen man mit der Diagnose umgehen soll. Manche Menschen ziehen sich aus dem Datingleben zurück oder vermeiden sexuelle Kontakte, obwohl sie sich eigentlich Nähe, Intimität und Verbundenheit wünschen.

Sexualität, Intimität und Vertrauen neu gestalten

Nach einer STI-Diagnose kann sich das sexuelle Erleben vorübergehend verändern. Körperliche Beschwerden, Sorgen vor Schmerzen oder die Angst vor einer Übertragung können dazu führen, dass Sexualität weniger unbeschwert erlebt wird. Selbst wenn eine Infektion behandelt wurde oder keine akuten Symptome mehr bestehen, berichten viele Menschen von einer anhaltenden inneren Anspannung oder erhöhter Wachsamkeit.

Berührungen, sexuelle Begegnungen oder neue Beziehungen können sich dann weniger spontan anfühlen als zuvor. Das bedeutet jedoch nicht, dass erfüllte Sexualität verloren gegangen ist. Häufig braucht das Erleben von Sicherheit etwas Zeit, damit Körper und Nervensystem wieder Vertrauen entwickeln können.

Ein wichtiger Schritt besteht darin, Vorsicht und Verantwortung mit Lust, Nähe und Selbstfürsorge in Einklang zu bringen. In der Sexualtherapie kann dabei unterstützt werden, Ängste abzubauen, Scham zu verarbeiten und einen selbstverständlichen und liebevollen Umgang mit der eigenen Sexualität zurückzugewinnen.

Medizinische Orientierung

 

Diese Seite ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Behandlung. Sie soll Ihnen dabei helfen, Informationen einzuordnen und häufige Fragen rund um sexuell übertragbare Infektionen (STI), Sexualität und Beziehungen besser zu verstehen.

Testung, Behandlung und medizinische Begleitung

Viele sexuell übertragbare Infektionen sind gut behandelbar oder langfristig gut medizinisch zu begleiten. Eine fachärztliche Abklärung und Behandlung ist dabei ein wichtiger Schritt. Je nach Situation können Hausarztpraxen, dermatologische gynäkologische, urologische Praxen, STI-Ambulanzen sowie spezialisierte Beratungsstellen die passenden Anlaufstellen sein.

Wenn Sie nach einer Diagnose verunsichert sind oder offene Fragen haben, ist es sinnvoll und ausdrücklich erwünscht, diese mit medizinischem Fachpersonal zu besprechen. Das gilt beispielsweise für Fragen zur Behandlung, zum Übertragungsrisiko, zu Schutzmöglichkeiten, zu Kontrolluntersuchungen oder zu den Auswirkungen auf Partnerschaft und Sexualität. Sie müssen nicht alles sofort verstehen oder sich jede Information auf Anhieb merken. Nachzufragen ist Teil einer guten medizinischen Versorgung.

Risikoreduktion, Kommunikation und Sicherheit

Im Bereich der sexuellen Gesundheit gibt es selten absolute Sicherheit. Gleichzeitig stehen heute zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um Risiken zu reduzieren und informierte Entscheidungen zu treffen.

Für viele Menschen ist es entlastend, gemeinsam mit medizinischen Fachpersonen und gegebenenfalls Partner:innen einen realistischen und alltagstauglichen Umgang mit der Situation zu entwickeln. Dazu können beispielsweise eine abgeschlossene Behandlung, empfohlene Kontrolluntersuchungen, geeignete Schutzmaßnahmen oder klare Absprachen innerhalb von Beziehungen gehören.

Oft entsteht Sicherheit nicht dadurch, jede Unsicherheit auszuschließen, sondern dadurch, die eigene Situation gut zu verstehen und handlungsfähig zu sein. Dieses Wissen kann helfen, Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen und Sexualität wieder freier und selbstbestimmter zu erleben.

STI in Beziehungen: Offen sprechen, gemeinsam entscheiden

 

Über eine STI sprechen: zwischen Ehrlichkeit und Verletzlichkeit

Für viele Menschen ist nicht die Diagnose selbst der schwierigste Teil, sondern das Gespräch mit einer Beziehungsperson. Die Sorge vor Ablehnung, Missverständnissen oder Verurteilung kann belastend sein – insbesondere dann, wenn bereits Scham oder Selbstzweifel vorhanden sind.

Wenn Sie diese Unsicherheit kennen, sind Sie damit nicht allein. Über eine sexuell übertragbare Infektion zu sprechen bedeutet oft, sich verletzlich zu zeigen. Das kann Mut erfordern.

In der Sexualtherapie geht es deshalb nicht darum, die „perfekten Worte“ zu finden. Gemeinsam kann erkundet werden, welche Informationen Sie teilen möchten, wie Sie Ihre Grenzen wahren können und wie ein Gespräch gelingen kann, ohne dass Sie sich rechtfertigen oder entschuldigen müssen.

Ein möglicher Einstieg könnte sein:

„Mir ist wichtig, offen mit meiner sexuellen Gesundheit umzugehen. Bevor wir intimer werden, möchte ich etwas mit dir teilen, damit wir beide gut informiert Entscheidungen treffen können.“

Von dort aus kann Raum entstehen für Fragen, gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Entscheidungen. Manche Menschen reagieren unmittelbar ruhig und verständnisvoll, andere benötigen Zeit, um Informationen einzuordnen oder eigene Gefühle zu sortieren. Solche Reaktionen sagen wenig über Ihren Wert als Mensch oder Beziehungspartner:in aus. Häufig spiegeln sie vielmehr das eigene Wissen, persönliche Erfahrungen oder individuelle Ängste wider.

Wie ich Sie unterstützen kann

 

Eine STI-Diagnose kann das sexuelle Erleben, das Selbstbild und das Vertrauen in Beziehungen verändern. In der Sexualtherapie geht es nicht darum, Sexualität möglichst schnell „wieder funktionieren“ zu lassen. Vielmehr schauen wir gemeinsam darauf, welche Auswirkungen die Diagnose auf Ihr Leben hat und was Sie aktuell benötigen, um wieder mehr Sicherheit und Selbstverständlichkeit zu erleben.

Mögliche Themen in der Begleitung sind:

  • Scham, Selbstvorwürfe und negative Gedanken über die eigene Sexualität verstehen und verarbeiten

  • Ängste vor Zurückweisung, Stigmatisierung oder Übertragung einordnen und bewältigen

  • Gespräche mit Partner:innen vorbereiten und mehr Sicherheit in der Kommunikation gewinnen

  • Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene sexuelle Identität stärken

  • Schrittweise zu mehr Intimität, Lust und körperlicher Nähe zurückfinden

  • Unterstützung für Paare oder Beziehungssysteme bei Belastungen rund um eine STI-Diagnose

Sie entscheiden dabei jederzeit selbst, worüber Sie sprechen möchten und welches Tempo für Sie stimmig ist. Die Begleitung erfolgt wertschätzend, ressourcenorientiert und traumasensibel.

Wichtiger Hinweis:

 

Sexualtherapie und psychologissche Beratung ersetzen keine medizinische Diagnostik oder Behandlung. Wenn Sie körperliche Beschwerden haben oder unsicher sind, ob eine Untersuchung notwendig ist, wenden Sie sich bitte an eine ärztliche Praxis oder eine spezialisierte STI-Sprechstunde.

Wenn Sie sich in einer akuten psychischen Krise befinden oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte umgehend an den Notruf 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 oder eine regionale Krisenhilfe.

So läuft es ab

 

Ich arbeite vorwiegend online. Präsenztermine in Berlin sind je nach Verfügbarkeit möglich.

  • Kostenloses Erstgespräch: ca. 20 Minuten zum Kennenlernen und Einordnen

  • Sitzungen: 50 Minuten

  • Rhythmus: meist wöchentlich oder zweiwöchentlich

Kostenloses Erstgespräch: nächster Schritt

Wenn Sie merken, dass die Diagnose in Gedanken, Körper oder Beziehung nachwirkt, müssen Sie da nicht allein durch. Ein kurzes Erstgespräch kann klären, ob eine Begleitung für Sie passt.

Quellen

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FAQ​

 

Muss ich eine STI meinen Partner:innen mitteilen?

Wenn eine sexuell übertragbare Infektion (STI) diagnostiziert wurde, kann es medizinisch und verantwortungsvoll sein, aktuelle oder kürzlich zurückliegende Sexualpartner:innen zu informieren. Gleichzeitig ist dieser Schritt für viele Menschen emotional herausfordernd und mit Unsicherheit oder Scham verbunden.

Wie und wann ein Gespräch stattfindet, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Menschen entscheiden sich für ein direktes Gespräch, andere für eine schriftliche Form oder eine zeitliche Verzögerung, um sich innerlich zu stabilisieren. In der psychologischen Begleitung kann es darum gehen, eine Form der Kommunikation zu finden, die sowohl informiert als auch die eigene emotionale Belastung berücksichtigt.

Kann ich mit einer STI weiterhin Sex haben?

Ob Sexualität möglich ist, hängt von der jeweiligen Infektion, dem Verlauf und den medizinischen Empfehlungen ab. Viele sexuell übertragbare Infektionen sind gut behandelbar oder unter bestimmten Bedingungen nicht mehr ansteckend.

Sexualität muss nach einer STI-Diagnose nicht grundsätzlich „gestoppt“ werden. Sie kann sich jedoch vorübergehend verändern – etwa durch mehr Vorsicht, Unsicherheit oder ein verändertes Körpergefühl. Diese Veränderungen sind verständliche Reaktionen und kein Hinweis darauf, dass Sexualität „nicht mehr funktioniert“.

Wie spreche ich über eine STI mit einer Beziehungsperson?

Gespräche über eine STI gehören für viele Menschen zu den schwierigsten Momenten im Umgang mit der Diagnose. Häufig bestehen Unsicherheiten darüber, wann, wie und mit welchen Worten gesprochen werden soll.

Es gibt kein festes „richtiges“ Vorgehen. Oft hilft eine klare, sachliche und zugleich persönliche Sprache, die Information und Beziehung gleichzeitig berücksichtigt.

In der sexualtherapeutischen Arbeit kann dieses Gespräch vorbereitet werden – inklusive der eigenen Grenzen, möglicher Reaktionen und dem Umgang mit emotionalen Belastungen.

Was verändert sich in der Sexualität nach einer STI-Diagnose?

Nach einer STI-Diagnose kann Sexualität vorübergehend anders erlebt werden. Häufig berichten Menschen von erhöhter Vorsicht, innerer Anspannung oder einer stärkeren gedanklichen Beschäftigung mit Sicherheit und Ansteckung.

Auch wenn medizinisch keine akute Gefahr mehr besteht, kann das Körper- und Sicherheitsgefühl noch eine Zeit lang beeinflusst sein. Sexualität ist in diesem Kontext eng mit psychischer Sicherheit und Vertrauen verbunden. Dieser Prozess kann Zeit benötigen und verläuft individuell unterschiedlich.

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