Was ist überhaupt Achtsamkeit und was bringt sie?


Achtsamkeit hat in den letzten Jahren einiges an Aufmerksamkeit und Beliebtheit gewonnen. Wieso ist das eigentlich so? Wir neigen dazu, die ganze Zeit zu bewerten und von einer Sache zur nächsten zu eilen. Dies kann unser Wohlbefinden verringern. Achtsamkeit kann da helfen, den Weg zum Wohlbefinden zu erleichtern. Bevor ich nun aber weiter über das Konzept der Achtsamkeit schreibe, wäre es wichtig, dieses Wort zu definieren. Das Problem dabei ist nur, dass es so viel umfasst, dass es sogar erfahrenen ForscherInnen schwerfällt, es zufriedenstellend zu beschreiben. Es ist ähnlich wie mit dem Konzept der Liebe: Es ist so vielfältig und bedeutet für jede Person etwas anderes. Trotzdem gibt es natürlich Begriffsbestimmungen, mit denen beispielsweise in der Achtsamkeitsforschung gearbeitet wird. Der sogenannte „Vater der modernen Achtsamkeitsbewegung“ Jon Kabat-Zinn hat Achtsamkeit folgendermaßen definiert:

Achtsamkeit ist ein Bewusstsein, das entsteht, wenn man absichtlich im gegenwärtigen Augenblick aufmerksam ist, ohne zu urteilen.

Hier können Sie sich Jon Kabat-Zinn selbst anhören, wie er Achtsamkeit mit seinen eigenen Worten beschreibt:

Achtsamkeit ist eine Praxis, die mit verschiedenen religiösen und säkularen Traditionen zu tun hat - vom Hinduismus und Buddhismus bis hin zu Yoga und auch (nicht-religiöse) Meditation. Menschen praktizieren Achtsamkeit schon seit Jahrtausenden, sowohl allein als auch im Rahmen größerer Traditionen. Einige ExpertInnen argumentieren, dass die Geschichte der Achtsamkeit nicht auf den Buddhismus und Hinduismus reduziert werden sollte, da sie auch Wurzeln im Judentum, Christentum und Islam hat (Trousselard et al., 2014). Dennoch basiert die moderne westliche Achtsamkeitsbewegung auf buddhistischen und hinduistischen Traditionen. Der Medizinprofessor Jon Kabat-Zinn hat im Jahr 1978 erstmalig die Achtsamkeitsübungen und -meditationen der buddhistischen Lehren in ein Programm zur Stressbewältigung überführt. Dieses Programm, namens „Mindfulness Based Stress Reduction“ (MBSR), wird inzwischen weltweit gelehrt und wird auch von deutschen Krankenkassen anerkannt.

Keine Sorge, falls Sie immer noch nicht so richtig verstehen, was Achtsamkeit wirklich ist. Mir ging es lange Zeit (und jetzt manchmal immer noch) genauso. In den nächsten Beiträgen werde ich immer wieder auf verschiedene Aspekte der Achtsamkeit eingehen, sodass Sie hoffentlich irgendwann ein großes ganzes Bild der Achtsamkeitspraxis haben werden.


Aber was bringt Achtsamkeit überhaupt?


Achtsamkeit ist gerade in Mode und hört sich auch gut an, aber welche Effekte hat sie eigentlich konkret auf unser Leben?


Wer Achtsamkeit aufrichtig und langfristig praktiziert, wird feststellen, dass er/sie nicht von äußeren Faktoren abhängig ist, um Glück und Wohlbefinden zu verspüren (laut des Deutschen Fachzentrums für Achtsamkeit). Man entwickelt mit der Zeit einen stabileren Geist, was bedeutet, dass man in belastenden Situationen auf mehr Ressourcen zurückgreifen kann. Dies kann viele verschiedene Auswirkungen haben. Hier finden Sie die 5 häufigsten:


  1. Reduzierter Stress (vgl. Donald, Atkins, Parker, Christie, & Ryan, 2016; Remmers, Topolinski, & Koole, 2016)

  2. Verbesserte Fähigkeit, mit Krankheiten umzugehen (vgl. Labelle, Campbell, Faris, & Carlson, 2015; Cherkin et al., 2016)

  3. Verbesserte Genesung und Erholung (vgl. Zhang, Zhou, Feng, Fan, Zeng, & Wei, 2017; Tamagawa, Speca, Stephen, Lawlor-Savage, & Carlson, 2015)

  4. Reduzierte depressive Symptome (vgl. Falsafi, 2016; Shawyer, Enticott, Özmen, Inder, & Meadows, 2016)

  5. Verbesserte generelle Gesundheit (vgl. Jacobs, Wollny, Sim, & Horsch, 2016; Loucks, Britton, Howe, Eaton, & Buka, 2015)


Konkret heißt das, dass Achtsamkeit unter anderem dabei helfen kann …

  • … den Zugang zu den eigenen inneren Ressourcen zu verbessern.

  • … mit sich selbst geduldiger und mitfühlender zu sein.

  • … weniger ängstlich und seltener deprimiert zu sein.

  • … weniger impulsiv zu reagieren.

  • … selbstbestimmter und selbstbewusster zu handeln.

  • … mehr Lebensfreude und Wohlbefinden zu entwickeln.

  • … physisch gesünder zu werden.

Hier finden Sie ein Video, das die positiven Effekte von Achtsamkeit verständlich und einfach erklärt:

Das hört sich doch ziemlich vielversprechend an, oder?